Am 2. Vorbereitungsseminartag sollte es für unsere Gruppe von 13 Freiwilligen + Mentorin in eine indigene Gemeinde nach Chamula gehen.
Der Weg dorthin, den wir mit einem sogenannten Collectivo (Taxibulli) und einem Pickup-Truck bestritten, gestaltete sich als äußerst spannend. Die einspurige Serpentinenstraße (mit Gegenverkehr) verlief durch die Berge von Chiapas, und ist aufgrund der
dort herrschenden Flora und Fauna sehr ansehnlich. Besonders die teils mit Wolken überzogenen Bergtäler waren immer wieder ein Highlight. Außerdem durchquerten wir auf der Reise viele kleine Bergdörfer, die sich noch wohlwollend ausgedrückt, sehr einfach gestalten. Die Menschen leben dort fernab von städtischer Modernisierung und ernähren sich hauptsächlich von dem, was sie selbst anbauen bzw. halten. Die einzigen Importgüter scheinen Coca Cola und Spielautomaten zu sein, die man immer wieder zu Gesicht bekommt. Respekt dafür an die CocaColaCompany, die es irgendwie schafft, auch das entlegenste Dorf mit ihrem Produkt + Werbung einzunehmen.
Im indigenen Dorf angekommen, wurden wir in ein Haus hineingebeten, in dem wir Hühnersuppe zu essen bekamen, die man hier in Form von eine halbe Hahn + 2 Kartoffeln serviert. Nach dem verzehrten Mal habe ich mich dann ein wenig im „Garten“ umgeschaut, der aus einem Bergabhang bestand, auf dem Mais angebaut, und Hühner sowie Truthähne gehalten wurden. Anschließend zeigte uns die dort ansässige Gemeinde ihre Arbeit. Alle Frauen im
Dorf verbringen den Tag damit, alle Art von Kleidungsstücken zu weben, die sie zu verkaufen versuchen. Für z.B. ein Hemd brauchen die Frauen eine Woche und erhalten dafür mit ein wenig Glück 300 Pesos (umgerechnet etwas mehr als 20€). Davon nochmals abgezogen Wolle- und Färbungskosten, könnt ihr euch ja mal den Stundenlohn ausrechnen.
Sinn der ganzen kollekiven Gemeinde ist die Selbstverwaltung und die damit einhergehende Autonomie. Der Preis dafür ist jedoch wie beschrieben sehr hoch, da die Menschen dort knechten müssen, wie noch im 19.Jhr. Ein kurzer Wälzer im Gedächtnis: Schumacher 12. Klasse: Das lange 19. Jahrhundert: 1844 Weberaufstände in Schlesien: Durch einsetzende Industrialisierung + Modernisierung wurden die traditionellen Weber arbeitslos und ihre Arbeit durch Webstühle in Fabriken ersetzt.
Dieser technologische Schritt ist offenbar auf dem Land in Chiapas ausgeblieben, sodass die Bauern versuchen müssen, ihre mit Mühe gewebte Ware auf dem Markt gegenüber Billigproduktionen aus den Städten zu verkaufen.
Über dieses Thema könnte man gewiss noch weitere Seiten füllen, bezieht man die zapatistische Revolution (1994) und deren Ansichten über die selbstverwaltenden Kollektiven, Landverteilung sowie Autonomie der Indigenen mit ein. Das möchte ich euch aber an dieser Stelle ersparen, da auch ich erstens darüber noch viel zu wenig weiß, und euch hier mit meiner Laienmeinung zutexte, und zweitens, weil es wahrscheinlich auch keinen von euch interessiert;-)
Also Schluss mit dem Gequatsche
Adios
P.S. Gesundheitlicher Zustand:
Durch das im deutschen Sinne ungewöhnliche Essen hier und das komische Kraut, das man hier als Zigaretten verkaufen darf, lerne ich meinen Körper gerade ganz neu kennen und bin jeden Tag aufs neue überrascht, was mein Magen an wundersamen Dingen hervorbringen kann.^^



